
Männlichkeit zwischen Weichspüler und Macho - wo sind die Männer auf Augenhöhe?
Ich bin seit einer Weile auf einer Dating-Plattform unterwegs und ganz ehrlich, mir stellen sich mittlerweile schon die Nackenhaare auf, wenn ich die üblichen Phrasen in Dating-Profilen lese: Open-minded, positive vibes only, deep conversation… Klingt ja alles wunderbar oder? Nur dass diese Begriffe längst zweckentfremdet wurden. Die meisten wissen nicht einmal, was sich wirklich dahinter verbirgt. Open-minded bedeutet in vielen Fällen schlicht, dass jemand alles mitmacht, ohne sich ernsthaft mit den Konsequenzen auseinanderzusetzen. Und deep conversation? Wird oft als Codewort benutzt, um zu signalisieren, dass es um Sexualität gehen soll. Aber wahre Tiefe – die auch die unbequemen, herausfordernden Seiten von uns einbezieht – ist damit selten gemeint.
Und dann noch dieses ewige positive vibes only. Als ob es nur Licht & Liebe gäbe und die Schattenseiten des Lebens nicht existieren dürften. Als ob man nur dann „passt“, wenn man immer freundlich, friedlich und gefügig ist. Wo bleibt da die Echtheit? Die Konfrontation mit dem, was in uns verborgen liegt? Die Bereitschaft, wirklich hinzusehen – bei sich selbst und beim anderen? Doch genau diese Vermeidung ist es, die wahre Nähe unmöglich macht.
Männlichkeit, Weiblichkeit – und die Angst vor echter Entwicklung
Dann kommt noch die spirituelle Verwässerung von männlich und weiblich dazu. Denn ja, liebe Männer, ich für meinen Teil möchte einen wahrhaftigen Mann. Einen, der stark genug ist, seine Verletzlichkeit zu zeigen. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich ein Muttersöhnchen oder einen verweichlichten Mann mit Opfermentalität will. Ein Mann kann sanft sein ohne seine männliche Kraft zu verlieren. Und er kann kraftvoll sein ohne rücksichtslos zu werden.
Wir dürfen nicht vergessen: Die Definitionen von männlich und weiblich wurden über Jahrtausende hinweg einseitig geprägt – kein Wunder, dass wir heute so viel Unsicherheit in diesen Themen sehen. Auch die LGBTQ-Bewegung wächst auf genau diesem Boden. Gerade in der spirituellen Szene beobachte ich oft, dass es keine wirkliche Auseinandersetzung mit diesen Fragen gibt.
Männerkreise? Schön und gut. Doch was nützt es, wenn sie nur als Wohlfühlzonen dienen, zur Selbstbeweihräucherung, um sich gegenseitig auf die Schulter zu klopfen ohne wirklich an sich zu arbeiten? Wachstum bedeutet, sich den unbequemen Dingen zu stellen. Und genau das passiert viel zu selten.
Polyamorie – ein Hintertürchen, um sich nicht einlassen zu müssen
Und dann ist da noch die allgegenwärtige Polyamorie. Für viele scheint sie der perfekte Ausweg zu sein, um sich keine echte Verantwortung in einer Beziehung aufzuladen. Ein bequemes Konzept, um sich immer ein Hintertürchen offenzuhalten. Um Tiefe und wahre Begegnung zu vermeiden. Denn wenn immer noch jemand anderes da ist, dann kann man sich fein aus der Affäre ziehen, sobald es unangenehm wird. Keine Notwendigkeit, sich wirklich auf jemanden einzulassen. Keine Gefahr mit den eigenen Schatten konfrontiert zu werden. Keine echte Nähe – und damit auch kein Risiko, verletzt zu werden.
Aber genau darum geht es doch: Echte Begegnung bedeutet, sich dem Schmerz auszusetzen, der in uns schlummert. Unsere Ängste, unsere Unsicherheiten, unsere tiefsten Wunden – sie werden in einer wahrhaftigen Verbindung zwangsläufig berührt. Und ja, das tut weh. Aber es ist auch die einzige Möglichkeit zu wachsen. Wer sich davor drückt, bleibt immer nur an der Oberfläche.
Emotionalen Unverfügbarkeit - das schleichende Gift der Begegnung
Was mir immer wieder auffällt: Es gibt so viele Männer, die sich gar nicht wirklich einlassen wollen oder können. Manche hängen noch in ihrer Vergangenheit fest, andere sind so eingespannt in Job, Freunde oder persönliche Projekte, dass für eine echte Verbindung einfach kein Raum bleibt.
Und das Schlimmste? Es wird nie klar ausgesprochen. Kein ehrliches „Ich bin nicht bereit“ oder „Ich kann dir gerade nicht das geben, was du suchst“. Stattdessen bleibt dieses vage Unnahbare, dieses diffuse Gefühl, dass da jemand zwar physisch anwesend ist, aber innerlich immer auf dem Sprung.
Aber genau so funktioniert echte Begegnung nicht. Verbindung braucht Präsenz. Den Mut, sich zu zeigen – mit allem, was da ist. Ohne diese Bereitschaft bleibt es eben nur das: ein nettes Gespräch, eine unverbindliche Interaktion, die niemals wirklich Tiefe erreicht. Und darauf habe ich einfach keine Lust mehr
Also wo sind sie - die freien, erwachten Männer?
Wo sind die Männer, die bereit sind für echte Begegnung? Die sich selbst anschauen, statt sich hinter Ausreden zu verstecken? Die in sich ruhen ohne stehenzubleiben?
Ich möchte einen mitfühlenden Mann – aber keinen Altruisten, der sich selbst für andere aufgibt. Ich möchte einen Mann, der gut für sich sorgt, aber auch für andere da ist.
Ich möchte einen Mann, der denken kann, der intellektuell ist, aber sich nicht von seinem Verstand beherrschen lässt. Einen, der mit seiner Seele verbunden ist, mit seiner Intuition.
Einen, der mutig genug ist, sich wirklich einzulassen. Der nicht wegsieht und -läuft, wenn es unbequem wird.
Und ja, ich möchte einen Mann mit dem tiefe Sexualität möglich ist – eine, die nicht nur auf Körperlichkeit basiert, sondern auf wirklicher Verbindung. Denn vergessen wir nicht: Die Energien eines Menschen mit dem wir intim waren, tragen wir noch eine Zeit lang mit uns. Ich wollte das selbst lange nicht wahrhaben. Aber wenn man sich darauf einlässt, dann spürt man es deutlich. Die Energien vermischen sich. Und wenn wir selbst nicht in Balance sind, dann können die ungelösten Themen des anderen in uns Resonanz erzeugen. Sie können unsere eigenen Wunden aufreißen. Und jetzt stellen wir uns mal vor, was passiert, wenn da noch eine ganze Menge unbearbeiteter Themen und alter Muster herumschwirrt.
Viele schmücken sich mit Begriffen wie heilige Sexualität und Tantra, doch wenn es um wirkliche Hingabe geht, sieht man schnell, wie viel Kontrolle und Vermeidungsstrategien noch dahinterstecken. Von Tantra sprechen, aber einen Stock im Arsch haben – das ist keine Tiefe, das ist Selbstbetrug.
Denn sind wir mal ehrlich - Wer hat all seine Themen schon zu 100 % geheilt? Niemand! Und genau das macht wahre Nähe so herausfordernd – aber auch so wertvoll.
Mehr als nur schöne Worte – es geht um echte Tiefe
In einer Welt voller Worthülsen und leerer Phrasen sehne ich mich nach echter Verbindung. Nach Begegnung, die auch den Schmerz und die Dunkelheit umfasst. Nach einem Miteinander, das nicht in der Vermeidung der eigenen Schatten besteht, sondern in der Bereitschaft, sich ihnen zu stellen.
Denn wahre Tiefe bedeutet nicht, nur schöne Gespräche zu führen oder sich open-minded zu nennen. Wahre Tiefe bedeutet, sich auch dann nicht abzuwenden, wenn es weh tut. Sich in den herausfordernden Momenten genauso zu begegnen wie in den leichten.
Und genau danach suche ich. Auch wenn das bedeutet, dass ich weiterhin allein bleibe. Lieber gehe ich meinen Weg in meiner eigenen Klarheit, als mich mit einer Illusion von Tiefe zufrieden zu geben. Denn wahre Nähe beginnt nicht bei einem anderen Menschen – sie beginnt bei mir selbst.
© Corinna Blubb / Seelenwind
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Bild: Pinterest
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Joe Turan
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– Tantra- & Kuscheltherapeut
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